Atelier Alpiner Lebensraum - Infrastrukturen zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung

Alpine Landschaften und Lebensräume übernehmen eine wichtige gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Funktion. Sie sind nicht nur eine beeindruckende Naturkulisse, sondern auch ein Lebens- und Wirtschaftsraum, der vor zahlreichen Herausforderungen steht. Dass diese auch Chancen bieten, zeigt sich im Atelier «Alpiner Lebensraum – Infrastrukturen zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung».

Die Berge sind für viele ein Sehnsuchtsort und prägen die Identität der Schweiz. Allerdings erfährt der alpine Lebensraum kontinuierliche Veränderungen und gerät auf Grund des fortschreitenden Klimawandels, der intensiven touristischen Nutzung und des Zubaus von Infrastruktur zunehmend unter Druck. Die Balance zwischen Wertschöpfung durch zukunftsgerichtete Energie- und Infrastrukturbauen sowie Wertschätzung der Alpenregion zu finden, ist mit vielen Herausforderungen verbunden. Den alpinen Lebensraum zu schützen und ihn gleichzeitig als Wertschöpfungsquelle zu nutzen, führt zu Zielkonflikten.

Diesen Herausforderungen widmet sich das Atelier «Alpiner Lebensraum – Infrastrukturen zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung» und befasst sich mit der Frage, wie die Infrastruktur in den Alpenregionen optimiert und erweitert werden kann, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und gleichzeitig den Lebensraum zu schützen.

Welche Bedeutung hat der Alpenraum für die Schweiz?

Dieser und weiteren Fragen rund um den alpinen Lebensraum wollten wir als BKW auf den Grund gehen. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo haben wir daher die Schweiz in einer breit angelegten Studie zur Bedeutung des alpinen Raums und des vorhandenen Zielkonfliktes zwischen der Wertschöpfung durch zukunftsgerichtete Energie- und Infrastrukturbauten sowie der Wertschätzung der Alpenregion befragt. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Diskussionen im Rahmen des Ateliers. 

Nebst dem Befund, dass sich die Schweizerinnen und Schweizer grossmehrheitlich für erneuerbare Energieprojekte im Alpenraum aussprechen, bringt sie weitere aufschlussreiche Erkenntnisse zu Tage.

Studie «Alpiner Lebensraum»

Studie «Alpiner Lebensraum»

Die Alpen sind für viele ein Sehnsuchtsort prägend für die Identität der Schweiz. Doch welche Bedürfnisse hat die alpine Bevölkerung und welche Vorstellungen verbindet die Bevölkerung im Mittelland mit den Alpen?

Was passiert, wenn wir heute nicht handeln?

Prof. Dr. Reto Knutti, Professor für Klimaphysik der ETH Zürich, gibt Antwort auf diese Frage und erläutert weitere Zukunftsszenarien die er für den Alpenraum in Aussicht stellt, welche Chancen sich eröffnen werden und warum wir dafür sorgen müssen, dass die Schweiz nicht nur ein «Natur-Heidiland» ist.

Positive Vision für die Bergregionen

Für ein gemeinsames Zeichen gegen die Klimakrise, unterstützt die BKW der diesjährige Klima-Wettbewerb «Spotlight» der Stiftung Clima Now. Mit Spotlight werden jährlich innovative Lösungen und Ideen zu einer aktuellen Herausforderung auf Grund des Klimawandels gesucht. Die drei besten Projekte und Ideen werden im Anschluss finanziell unterstützt. Welche Projekte ins Finale kommen und auf der Bühne gepitcht werden dürfen, entscheidet die Öffentlichkeit.

Clima Now Spotlight 2024

Beim diesjährigen Spotlight werden Ideen gesucht, welche einen klimabewussten Tourismus und damit verbundene Aktivitäten im Alpenraum vorantreiben und so Innovationen in Richtung Netto-Null fördern. Gemeinsam setzen wir uns damit für eine positive Vision für die Bergregionen ein - sowohl für das laufende Jahr als auch für die kommenden Generationen.

Wie können wir eine widerstandsfähige Wirtschaft für eine Netto-Null-Zukunft der Alpen gestalten, wobei der Tourismus und der Bergsport den Wandel anführen? Welche energieeffizienten Lösungen sind für diesen Wandel notwendig?

Wer auf diese Frage eine Antwort weiss, kann seine Projektidee bis am 05. Juli 2024 einreichen. Wir freuen uns auf zahlreiche spannende Ideen!

Optimierung und Partizipation

Dafür baut das Atelier auf zwei Säulen auf: Optimierung und Partizipation. Es stellt erstens die Frage, mit welchen Massnahmen die bestehende Infrastruktur in (touristischen) Alpenlandschaften so optimiert werden kann, dass sie auf nachhaltige Weise zur Wertschöpfung beiträgt. Dies insbesondere mit Blick auf den Energieinfrastrukturbau, wo es im Zuge der aktuellen öffentlichen Debatte viele offene Fragen gibt. Zweitens setzt das Atelier auf eine partizipative Lösungserarbeitung.

Als Dialogs- und Wirkungsplattform wird innerhalb des Ateliers der Dialog mit allen relevanten Stakeholdern gefordert, um bestehende Infrastrukturen und Energielösungen in Alpenregionen gemeinsam und konstruktiv auf die Zukunft auszurichten. Nicht im Atelier behandelt werden politische Diskussionen, die Biodiversität und Infrastrukturen im Spannungsfeld mit Naturkatastrophen.

Eine nachhaltige Entwicklung im alpinen Raum ist nur durch eine ganzheitliche Betrachtung aller Interessen und eine enge Zusammenarbeit aller Akteur:innen möglich.

Selbstwahrnehmung führt zu überraschenden Ergebnissen

Erster Auftakt des Ateliers fand im Februar 2024 in Zürich statt. Expertinnen und Experten sowie eigeladene Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik teilten dabei ihre Erfahrung und ihr Wissen rund um die Atelierthematik.

Als Diskussionsgrundlage gab Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo, einen exklusiven Einblick in erste Erkenntnisse einer Studie, die das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der BKW erstellt. Die Studie untersucht die Wahrnehmung des alpinen Lebensraums, seine Bedeutung angesichts des Klimawandels sowie die Erwartungen der Schweizer Bevölkerung an zukünftige Energie- und Infrastrukturprojekte. 

Die ersten Resultate der Studie zeigen, dass die Alpen von den Befragten primär als Natur- und Erholungsort und nicht als Wirtschafts- und Industrieraum wahrgenommen werden, was laut Hermann wenig überraschend ist. Interessanterweise unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen der alpinen und nicht-alpinen Bevölkerung kaum. Eine mögliche Erklärung: Die Selbstwahrnehmung in Bezug auf die Zugehörigkeit zum alpinen Lebensraum unterscheidet sich deutlich von der offiziellen Definition. So betrachten sich viele der Studienteilnehmer:innen selbst nicht als Bewohner:innen des alpinen Raums, obwohl sie laut des Bundesamts für Statistik im Alpenraum leben. Dies führt zu Ergebnissen, die den Erwartungen widersprechen. Weitere spannende Erkenntnisse der Studie werden im April 2024 veröffentlicht und können hier abgerufen werden.

 

Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo, gab einen exklusiven Einblick in die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Studie zum alpinen Lebensraum.

Dialog mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Ein namhaftes Panel mit Pascal Jenny (Präsident von Arosa Tourismus), Christine Bulliard-Marbach (Nationalrätin und Präsidentin der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete SAB), Prof. Dr. Reto Knutti (Professor für Klimaphysik der ETH Zürich) sowie Dipl.-Ing. Andrea Ferrai (Teamleiter Alpine Infrastruktur bei AEP, einer Konzerngesellschaft der BKW), diskutierte unter der Moderation von Nik Thomi die Herausforderungen, mit denen der Alpenraum konfrontiert ist und die Chancen, die mit der Optimierung und Erweiterung der Infrastruktur in alpinen Regionen verbunden sind.

Die Expertinnen und Experten auf dem Podium waren sich einig, dass eine nachhaltige Entwicklung im alpinen Raum nur durch eine ganzheitliche Betrachtung aller Interessen und eine enge Zusammenarbeit aller Akteur:innen erreicht werden kann. Dies erfordere auch ein Umdenken in Bezug auf die Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung eines ganzjährigen Tourismus.

Innovation und Zusammenarbeit als Schlüssel

Im Nachgang entstand unter der Leitung von Atelierhost Reto Decurtins, Länderleiter Schweiz bei BKW Engineering, eine interaktive Diskussion unter den Teilnehmenden, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter nationaler Tourismusdestinationen, des Verbands Seilbahnen Schweiz, von Swiss-Ski und verschiedenen NGOs. Dabei wurden die Chancen und Gefahren beim Ausbau erneuerbarer Energien für alpine Tourismusregionen, Erfahrungen bei der Optimierung von Infrastrukturen in alpinen Regionen und die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Verbesserung bestehender Infrastrukturen diskutiert.

Nebst einem sehr angeregten Erfahrungsaustausch wurden gemeinsam erste Lösungsansätze erarbeitet. Diese reichten von der Verbesserung der Kommunikation und Einbindung der lokalen Bevölkerung bei Infrastrukturprojekten über Möglichkeiten zur Vereinfachung komplexer Genehmigungsverfahren bis hin zum Wunsch nach mehr Innovation und einer engeren Zusammenarbeit aller beteiligten Akteur:innen.

In einem nächsten Schritt werden die gesammelten Inputs aus dem Atelierauftakt zusammengetragen und das weitere Vorgehen definiert. Der Anlass verdeutlichte jedoch den grossen Diskussionsbedarf und die hohe Relevanz des Ateliers als notwendige Plattform für den Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch – mit dem gemeinsamen Ziel: diesen einzigartigen Lebens- und Wirtschaftsraum langfristig zu erhalten.

Ihre Mitarbeit zählt!

Sie möchten ebenfalls mitdiskutieren und den alpinen Lebensraum lebenswerter gestalten? Dann melden Sie sich unter lebensraeume@bkw.ch

 

Kontakt

Reto Decurtins ist Host des Ateliers «Alpiner Lebensraum» und als Länderleitung Schweiz bei der BKW Engineering tätig. Seine Vision und zeitgleich auch sein tägliches Wirken ist die Schaffung von Lebensräumen mit Zukunft. In der Rolle des Atelierhosts gibt er zusammen mit Expert:innen die inhaltliche Stossrichtung vor und definiert das gemeinsam angestrebte Ziel. Dank seiner Expertise und seinem Netzwerk bringt er die richtigen Stakeholder an einen Tisch, um gemeinsam die bestehende Infrastruktur im alpinen Lebensraum optimierter und nachhaltiger zu gestalten.

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